Gesund und glücklich im Schlaf

Alle Menschen haben eines gemeinsam: Sie brauchen Schlaf. Aber wieso eigentlich? Schlafexpertin und Gründerin von „Sleep Like a Boss“ Christine Hansen erzählt im Interview, was im Schlaf passiert, was Gründe für unruhige Nächte sein können und wieso Power Naps nicht nur was für Kleinkinder sind.

Wieso ist gesunder Schlaf so wichtig?
Ganz einfach, ohne können wir Menschen nicht überleben. Schlaf hilft uns dabei Dinge zu tun, die im Wachzustand nicht möglich sind. Auf physiologischer Ebene gehören dazu zum Beispiel die Zellregeneration und Entgiftung unseres Gehirns, das Ausgleichen des Hormonhaushalts und das Ausschütten unerwünschter Proteine und Giftstoffe über die Leber. Unser Körper heilt sich sozusagen selbst und sorgt für unsere Gesundheit.
Genauso wichtig ist Schlaf auf der psychischen Ebene. Unser Unterbewusstsein ermöglicht es uns im Tiefschlaf Dinge zu verarbeiten, die uns tagsüber emotional berührt haben oder die wir verdrängt haben. Sei es Wut, Trauer oder Enttäuschung.

Was können Gründe für eine unruhige Nacht sein?
Die Hauptursache ist meistens die Schlafhygiene. Diese bezeichnet die Nachtrituale vor dem Zubettgehen. Schlaf erfolgt nämlich nicht auf Knopfdruck, sondern ist ein Prozess, bei dem unser Körper langsam in den Schlafzustand gleitet. Einige Faktoren, wie zum Beispiel blaues Licht, ausgehend von Handy, Laptop und Fernseher, können den Aufbau von Melatonin hemmen. Dieses Hormon bereitet den Körper auf den Schlafprozess vor. Eine weitere, häufig auftretende Ursache ist unser Hormonhaushalt. Menschen, die beispielsweise unter chronischem Stress leiden haben oft auch mit Schlaflosigkeit zu kämpfen. Schilddrüse, Immunsystem, Darm können ebenfalls Faktoren sein. Letztlich spielt auch unsere Ernährung eine Rolle. Lebensmittel die unseren Blutzuckerspiegel zum Schwanken bringen, halten uns in der Nacht gerne wach.

Beruhigende Rituale wie eine wohltuende Dusche helfen uns beim Einschlafen.

Welche Rolle spielen Work-Life-Balance, Ernährung und Sport beim Thema Schlaf?
All diese Faktoren spielen eine sehr große Rolle. Wir haben nur 24 Stunden am Tag, davon sollten, je nach Bedarf zwischen sechs und zehn geregeltem
Schlaf gewidmet sein. Die nächtliche Pause sorgt dafür, dass wir morgens wieder frisch und produktiv sind. In direktem Zusammenhang damit steht eine ausgewogene Ernährung. Damit der Blutzuckerspiegel ausbalanciert bleibt, rate ich zu Lebensmitteln mit einem niedrigen glykämischen Index: Viele Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte sowie Gemüse und Obst. Besonders wenn man einen passiven Bürojob ausübt, sorgt Bewegung für die nötige Balance.
Aber Vorsicht: Menschen, die unter chronischem Stress leiden sollten hektische Sportarten wie etwa Spinning-Kurse mit grellem Licht und lauter Musik, meiden. Das bedeutet zusätzlichen Stress für den Körper und ist nicht förderlich beim Einschlafen.
Besser: Spazieren gehen, Yoga oder ein leichtes Fitness-Programm. 

Als Kinder waren „Power-Naps“ fester Bestandteil unseres Tagesrhythmus. Sollten Erwachsene auch eine tägliche „Auszeit“ einplanen oder ist das
eher ein Zeichen dafür, dass unser Körper nicht ausgeruht ist?

Ich persönlich liebe Power Naps und denke, dass Sie für jeden geeignet sind. Besonders Leute, deren Schlafrhythmus „verschoben“ ist, sollten öfter Power Naps machen. Das bedeutet, dass Sie zum Beispiel spät ins Bett gehen, dann aber wieder früh raus müssen. Die NASA trainiert sogar Astronauten im Power Napping. Im Gegensatz zu Kaffee, der die Müdigkeit nur stoppt, regeneriert Schlaf.

Können Rituale, wie zum Beispiel eine wohltuende Dusche vor dem Zubettgehen, schnelles Einschlafen fördern?
Ja, allerdings. Da wären wir wieder beim Thema Schlafhygiene. Alles, was ein beruhigendes Ritual darstellt und den Körper auf die Nachtruhe vorbereitet,
kann einschlaffördernd sein. Besonders wohltuend sind Warm-Kalt Wasserbehandlungen. Das Zusammenspiel von warm und kalt senkt das Stresslevel und hilft uns langsam in den Schlaf zu gleiten.

Was hilft konkret bei Einschlafstörungen?
Das kann ich nicht pauschal sagen. Das hängt konkret vom vorliegenden Problem ab. Ich habe nur einen allgemeinen Tipp: Hören Sie auf Ihren Körper. Wenn Sie lange wach liegen, ohne einschlafen zu können, sollten Sie aufstehen und sich eine Beschäftigung suchen. Irgendwann spüren Sie, wie der Körper müde wird und sind wieder bereit es mit dem Einschlafen zu versuchen.

Über Christine Hansen:
Christine Hansen ist Schlaftherapeutin, Ernährungsberaterin und Bestseller-Autorin. 2014 hat Sie das Unternehmen „Sleep Like a Boss“ gegründet und betreut Menschen, die unter Schlafstörungen leiden. Dazu inspiriert hat sie die Schwangerschaft mit ihrer Tochter. Besonders Bekannte mit Kleinkindern, die unter akutem Schlafmangel litten, haben Hansen dazu bewegt, sich mit dem Thema Schlaf auseinanderzusetzen. 
Heute ist sie ist international aufgestellt, arbeitet online wie auch offline mit Privatkunden und gibt außerdem Seminare, Schulungen und Workshops in Unternehmen.

Schlafexpertin Christine Hansen betreut Menschen, die mit Schlafstörungen zu kämpfen haben.
Foto: Christine Hansen